Skigeschichte Nesselwang

Skimuseum im Torgebäude

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Skigeschichte Nesselwang

Ausstellung Skigeschichte Nesselwang

Laufen zur Skitour

Als die „gefürchtete“ Nesselwanger Staffel an den Start ging
Bürgerwerkstätte „Skigeschichte Nesselwang“ eröffnet Ausstellung im Torgebäud, Hauptstr. 1a

Nesselwang lässt seine Skigeschichte wieder aufleben. In einer Ausstellung informieren historische Ski, Urkunden, Schautafeln, Pokale und Medaillen über die Gründerjahre des Skilaufs, die Zeiten glanzvoller Erfolge Nesselwanger Skisportler und die Anfänge des Skitourismus in der Marktgemeinde.

Die Bürgerwerkstätte „Skigeschichte Nesselwang“ hat zahlreiche Exponate zusammengetragen, die im neuen Torgebäude an der Hauptstraße zu besichtigen sind. Am Sonntag, den 14. Juni 2009, wurde die Ausstellung eröffnet. Die Nesselwanger Sportreporterlegende Bruno Moravetz („Wo ist Behle?“) hat das Projekt angestoßen. Bei der Umsetzung dieser Idee war Helmut Böck, Sprecher der Bürgerwerkstätte und ehemaliger Deutscher Meister in der Nordischen Kombination, die treibende Kraft.

Böck freut sich, dass soviel historisches Material zusammengekommen ist: „Wir hätten nie gedacht, dass unser Aufruf auf so große Resonanz stoßen würde. Leider können wir aus räumlichen Gründen nur einen kleinen Teil davon zeigen“. Darunter den Lederkoffer, mit dem Böcks Vater Ludwig, Nesselwangs erster Olympionike und bester Mitteleuropäer in der Nordischen Kombination bei den Olympischen Spielen 1928 in St. Moritz, im Winter 1930/31 nach Amerika gereist ist, wo er an hochkarätigen Rennen teilnahm. Hans Ott hatte ihn dem Staffelkameraden geliehen: „Du kannst doch nicht mit Rucksack und Pappkarton nach Amerika reisen“.

Schon vor dem mehrfachen Olympiasieger und Weltmeister Michael Greis gab es Spitzenathleten in Nesselwang, die zahlreiche Deutsche, Bayerische und Allgäuer Meistertitel gewannen. Etwa ein Dutzend Nesselwanger nahm an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen teil. Wer weiß heute noch, dass ein „Meister des Skilaufs von Tirol“ aus Nesselwang kam? Unter den Exponaten befindet sich die Trophäe, die Hans Ott 1923 in Kufstein gewann. Auch sein 2,41 m langer Ski ist ausgestellt, mit dem er in die Loipe ging. Viermal wurde er Allgäuer Meister und gewann 1924 und 1925 die Vorarlberger Meisterschaft.

Die Ausstellung erinnert an drei Staffelgenerationen, die im Nordischen Skisport viele Jahre eine führende Rolle spielten. Skiläufer des Skiklubs Nesselwang (SKN) siegten 1923 in Oberstaufen bei der ersten Staffelmeisterschaft der deutschen Skigeschichte. Sie holten sich 1926 und 1931 den Allgäuer Meistertitel.

In den 50´er Jahre gewann die zweite Staffel des SKN sechs Winter hintereinander die Allgäuer Staffelmeisterschaft. Sie war bei der Konkurrenz gefürchtet und wenn sie an den Start ging, hieß es: „Habt ihr wieder Skiva gewachst?“ Die berühmten finnischen Wachse waren in den ersten Nachkriegsjahren eine Rarität. Skiklubgründer Hans Riefler hatte sie über seine Geschäftskontakte besorgt. Gezeigt werden auch die Wanderpokale, die Nesselwangs Staffeln erkämpften.

In den 70`er Jahren wurde die dritte Staffelgeneration viermal Allgäuer Meister im Skilanglauf, neben zahlreichen Einzeltiteln, und gewann 1975 die deutsche Meisterschaft für Vereinsstaffeln. Das war die Zeit, als der Hickory-Ski vom Kunststoffski abgelöst wurde. Franz Betz vom SKN war der Läufer, der als erster die deutsche Meisterschaft im 30 km Skilanglauf auf einem Kunststoff gewann, der in der Ausstellung zu sehen ist. Seine Bronzemedaille bei den Junioren-Europameisterschaften 1972 war der bis dahin größte Erfolg eines deutschen Nachwuchssportlers.

Auch die Sprung- und Langlaufski des Nesselwanger Olympiasiegers und Weltmeisters in der Nordische Kombination Franz Keller werden gezeigt, sowie eine Kollektion von Biathlongewehren, vom Großkaliber- bis zum Luftdruckgewehr. Natürlich hat auch der Nesselwanger Weltklassebiathlet Michael Greis seinen Ehrenplatz.

Biathlon hat eine lange Tradition in Nesselwang. Nur die wenigsten wissen, dass von der achtköpfigen deutschen Mannschaft bei den Weltmeisterschaften 1971 drei Athleten aus Nesselwang kamen. Allerdings erinnert sich der Nesselwanger Schlussläufer an diesen Wettkampf nur mit gemischten Gefühlen: er vergaß seinen Munitionsgurt, worauf das Rennen für die Deutschen beendet war.

Fotos und Dokumente zum Schanzenbau, zum Sprunglauf, Sprung- und Langlaufski, Pokale und Rennanzüge komplettieren den Teil der Ausstellung zum „sportlichen Skilauf“, dem die obere Etage des Torgebäudes gewidmet ist. Der untere Raum gewährt Einblicke in die Gründerzeit des Skilaufs und die Anfangsjahre des Wintertourismus im „Skidorf des Allgäus“.

Schon 1895 eroberten Nesselwanger Skipioniere Stellenbühel, Edelsberg, Zillhalde und Wanker Berg mit langen, störrischen Ski und eiferten ihren Vorbildern nach, den Norweger „Telemarkern“. Historische Ski mit Huitfeld-Bindungen, zahlreiche Fotos und Erinnerungsstücke dokumentieren die hundertjährige Skigeschichte der Marktgemeinde, ihre Entwicklung zum Wintersportort und den Bau der Alpspitzbahn, angefangen vom Alpspitzlift am Sportheim Böck bis zur heutigen Kabinenbahn.

Unter den Exponaten befindet sich auch die erste Werbeschrift für den Wintertourismus, die der Skiklub schon 1911, ein Jahr nach seiner Gründung, herausgab, um dem „Wintertouristen“ die Vorzüge Nesselwangs und seines Skigebiets schmackhaft zu machen. Auch die Anfänge des Skilehrwesens und die große Tradition der von Ludwig Böck gegründeten Skischule, eine der ältesten im Allgäu, leben wieder auf.

Das ehrenamtliche Projekt wird von der Gemeinde Nesselwang unterstützt. Die Schautafeln wurden von der Firma Tanner Werbung unentgeltlich gestaltet. Für die Materialkosten haben die Sparkasse Allgäu und die Raiffeisenbank Füssen-Pfronten-Nesselwang je 1200 Euro zur Verfügung gestellt. Böck freut sich, wenn die Ausstellung auf Interesse stößt: „Nicht nur bei ehemaligen Aktive sondern auch bei vielen Besuchern werden Erinnerungen an die Anfänge der eigenen Skikarriere wach“. Und die Jüngeren erhalten einen Eindruck, wie alles begann – mit dem Skilauf in der Heimat.

Text: Ingo Buchelt

 

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Öffnungszeiten:

- Jeden Sonntag und Mittwoch von 16.00 - 18.00 Uhr
- Größere Gruppen nach Vereinbarung

Eintritt frei, Spenden erbeten